Ragni Maria Gschwend
Figaros Flehn und Flattern

Mozart in den Fängen seiner Übersetzer - Mit einer CD

Wie hält es ein Freiherr von Knigge im Umgang mit - Figaros Hochzeit ? Was hat Cherubino im Freischütz verloren? Und woher kennt Mozarts Librettist Lorenzo da Ponte den Dichter Stefan George? Derlei merkwürdige Fragen stellen sich ein, wenn man die vielen Übersetzungen von Le nozze di Figaro vergleicht, die auf deutschen Bühnen gesungen wurden und werden.

Am Beispiel höchst unterschiedlicher Übertragungen der sogenannten Militärarie des Figaro (landläufig bekannt als "Nun vergiß leises Flehn, süßes Kosen") veranschaulicht Ragni Maria Gschwend, selbst langjährige Übersetzerin aus dem Italienischen - jener Opernsprache schlechthin! - wie sich die Mozartrezeption wandelt.

Eine unterhaltsame, faktenreiche und ganz unakademische Zeitreise von 1786 bis in unsere Tage, eine kleine Kulturgeschichte des künstlerischen Um- und Übersetzens.

Beigefügt ist eine CD mit musikalischen Raritäten: diversen Übersetzungen und Instrumentalbearbeitungen dieser wahrhaft 'unsterblichen' Arie, wie sie zum Teil noch nie auf Tonträgern zu hören waren.

Die über zweihundertjährige Geschichte der verschiedenen Übersetzungs-Versionen liest sich wie eine Kulturgeschichte einerseits, aber wirft auch ein politisches Licht auf die jeweilige Zeit.... Mit Esprit und äußerst kenntnisreich beschreibt Ragni Maria Gschwend diesen gewundenen Pfad der Annäherung an eine geniale Opernarie, kongenial in Musik und Text.
Lerke von Saalfeld im Deutschlandfunk, "Büchermarkt"

Anschaulich wie unterhaltsam schildert Ragni Maria Gschwend, wie sich jede Generation quasi ihren eigenen "Figaro" schuf und sich so in der Geschichte der Übersetzungen der Wandel der Mozartrezeption allgemein widerspiegelt. Der erfrischende kulturhistorische Beitrag hebt sich - auch typografisch - von den vielen überflüssigen Schnellschüssen zum Mozartjahr erfreulich ab. Als zusätzliches Schmankerl gibt's eine beiliegende CD mit Raritäten: Der Pianist Bernhard Renzikowski hat Instrumentalbearbeitungen der Figaroarie von Wendt, Küffner, Hummel, Kuhlau, Offenbach und anderen ausgegraben... Außerdem hat er selbst mit den Sängern Dominik Hosefelder und Martin Krämer die Arie in fünf verschiedenen Übersetzungen eingespielt. Ein Hörvergnügen besonderer Art!
Verena Funtenberger in "Forum Musikbibliothek"

Erstaunlich, was die (jüngst mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete) Übersetzerin aus der Betrachtung einer einzigen Arie und ihrer deutschen Übersetzungen an Rezeptions- und Interpretationsgeschichte herausholt. Auf der CD, die außerdem seltene Figaro-Bearbeitungen für verschiedene Instrumentenkombinationen vereint, kann man auch hörend nachvollziehen, welchen musikalischen und interpretatorischen Unterschied die diversen, oft nicht nur stilistisch zeitgebundenen Übertragungen machen. Ein kleiner, überaus kurzweiliger Band abseits der stark frequentierten Hauptpfade, überdies wunderschön präsentiert.
Juan Martin Koch in "neue musikzeitung"

Es ist ein Bändchen zum Liebhaben. Originell im Thema, subtil in der Beobachtung und überzeugend in der Auslegung...
Das Kurzweilige an diesem Buch sind die zahlreichen Kleinstbeobachtungen, die Ragni Maria Gschwend auf dem Hintergrund des jeweiligen Zeitgeistes entwickelt. So ergibt sich aus der mikrokosmischen Perspektive auf eine einzige Arie ein kulturgeschichtlicher Gesamtüberblick. Während bei den meisten Büchern, die mit CD im Anhang veröffentlicht werden, der Tonträger nicht mehr als eine unterhaltsame Beigabe ist, bekommt die hier mitgelieferte CD einen eigenen Wert. Denn die Autorin hat mit dem Bariton Dominik Hosefelder und dem Pianisten Bernhard Renzikowski Figaros Arie in ihren unterschiedlichen Textfassungen aufzeichnen lassen. So ergibt sich eine ideale Synthese aus Lese- und Hörerlebnis.
Christoph Vratz in "opernwelt"

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Bibliografische Informationen

  • 160 Seiten, Fadenheftung, Pappband mit einer CD
  • Buchgestaltung: J. Steil
  • € 19,95
  • ISBN 978-3-89107-053-6